Fragen und Erläuterungen

„Da Hexen normalerweise keinen Missionseifer an den Tag legen, seht ihr unsereins nicht an Straßenecken stehen,

um vorübereilenden Passanten unser „Buch der Schatten“ ans Herz zu legen. Auch muss keiner befürchten, dass wir eines Tages milde lächelnd vor der Tür stehen und darauf hinweisen, dass du dein ganzes Leben lang auf dem Holzweg warst. Obwohl wir also unser Heil nicht in der Bekehrung Anderer suchen, heißt das doch nicht, dass wir Hexen heute nicht mehr existieren – auch wenn es manchmal schwierig sein kann, jemanden von uns ausfindig zu machen.“  (frei und gekürzt nach Silver RavenWolf „To Ride a Silver Broomstick“)

 

Gerade für den interessierten Anfänger ist es oft sehr schwierig, geeignete Zirkel oder Gleichgesinnte zu finden. Dies war auch die Intention hinter der Erstellung dieser Homepage. Unsicherheiten gibt es aber auch bei vielen erfahrenen Praktizierenden innerhalb der Hexerei, denn vor allem in jüngerer Zeit entstanden viele Diskussionen und Haarspaltereien innerhalb der Zunft. Nachfolgend nun einige Erläuterungen und Erklärungen zur Hexenkunst, der Definition von Hexen und der Frage ob alle Hexen Wiccas sind:

 

1)* Warum der Begriff "Hexe" ?  

Der Begriff "Hexe" ist nicht gerade nach jedermanns Geschmack. Viele unter uns meiden diesen Begriff und nennen sich lieber Heide oder "naturreligiös". Das Problem dieses Wortes liegt in den Assoziationen, die dein Gegenüber hat wenn du dich als "Hexe" outest. Erfahrungsgemäß wird damit bei Uninformierten die Verbindung zu den "schwarzen Künsten" und Satanismus gezogen. Gerade dies aber ist für unsereins beinahe beleidigend, sind doch die meisten sehr erpicht darauf positiv für unser Umfeld zu wirken. Andererseits beinhaltet das Wort "Hexe" die Hinwendung zur Magie und den anderen Ebenen unseres Seins wie kaum ein anderer Begriff. Wie auch immer man sich selbst bezeichnet, es wird kein Weg daran vorbei führen, deinem Gegenüber die Philosophie, Tradition und Religion der Hexenkunst näher zu erläutern - egal ob du dich als Heide, Hexe, Wicca oder naturreligiöser Mensch betitelst.

 

2)* Ist die Hexenkunst eine Religion ?

Zuallererst muss eines ausdrücklich gesagt werden: Hexenkunst ist nicht bloß Magie, es ist eine heidnische Mysterienreligion. Eine Hexe betreibt zwar Magie, aber genauso betet sie zur Göttin und/oder zum Gott. Die Rituale und Zauber der Hexen lassen sich erklären als eine Art „verdichtetes, konzentriertes“ Gebet unter Verwendung verschiedener Hilfsmittel (z.B. Kräuter, Kerzen...) um das Unbewusste (nenn es ruhig dein Göttliches Selbst) intensiver anzusprechen.

 

3)* Was ist Magie ?

Magie ist eine Kraft, eine Macht, ist Weisheit und Wissen. Sie ist zugleich mächtiger und machtloser als Unwissende annehmen. Magie ist keine Krücke für die Schwachen, und wer sich lediglich daran aufplustern will, ist ungeeignet. Magie ist eine Fähigkeit, und wir müssen lernen, weise und gut mit ihr umzugehen. Die meisten Hexen üben ihre Magie und ihre Rituale auch alleine aus, manche nur in ihrem Zirkel. Magie ist das Herbeiführen von Veränderungen mit Mitteln, die von der Wissenschaft noch nicht anerkannt sind. Traditionelle Hexen vertraten früher häufig die Meinung, Hexen würden geboren und nicht gemacht. Inzwischen hat sich diese Meinung geändert. Gewisse magische Fähigkeiten können alle entwickeln. Wichtig ist vor allem Aufgeschlossenheit. Viele Gegenstände, die in der Magie verwendet werden, haben keinen „eigenen Wert“, sondern dienen als  Energieträger und Konzentrationsstütze (Schnüre, Kerzen,...). Andere Hilfsmittel wiederum kommen aus der Natur und verfügen über ihre eigenen Kräfte und Energien, die sie uns zur Verfügung stellen (vor allem Kräuter und Steine, aber auch die Beachtung von Wochentagen und den Mondständen). Wichtige  Fähigkeiten der Hexen bei ihrer Magie sind Visualisation, Konzentration, Trance, Energiearbeit. Es ist nichts Schlechtes daran, Magie auszuüben um dir selbst und anderen zur Erlangung redlicher Ziele zu verhelfen. Unser Gottesbild ist von Liebe geprägt – d.h. die Götter erfreuen sich daran, wenn du in Glück und Fülle deinen Lebensweg voranschreitest, nicht umsonst haben sie dir das Geschenk der Magie gemacht.

 

4)* Was ist das "Buch der Schatten" ?

Viele stellen sich darunter eine Sprüchesammlung wie in "Charmed" vor. Dies ist aber nicht die Realität, denn Hexen sind ohne ihr Buch genauso in der Lage, Magie zu wirken. Das BDS ist eine Art Sammelsurium und Tagebuch, in welches wir unsere Lieblingszauber schreiben um nicht ständig in Büchern rumsuchen zu müssen wenn wir ein bestimmtes Ritual benötigen. Außerdem halten wir unsere Erfahrungen, Träume und Magie-Erfolge fest um überprüfen zu können, ob und wann ein Zauber sich manifestiert. Besonders für solitäre Hexen (=alleine arbeitend) ist das BDS sehr wichtig, um die eigene Entwicklung im Auge zu behalten und um sich nicht selbst zu belügen.

 

5)* Was sind Korrespondenzen ? 

Korrespondenzen stellen die Basis deiner Magie dar. Es sind listenartige Aufstellungen der Kräuter, Steine, Farben, etc. und deren Verwendungszweck. Übersetzt bedeutet das Wort in etwa "Entsprechung". Ein kleines Beispiel: Denke an die Liebe. Welche Korrespondenzen fallen dir hierzu ein ? Jeder denkt wohl zuerst an Rosen, an die Farbe Rot oder Rosa und an das Symbol des Herzens. Voilá, schon hast du 3 Zutaten für einen Liebeszauber: Du nimmst Rosenblätter, wickelst sie in ein herzförmiges rosafarbnes Papier und schreibst den Namen des Geliebten mit roter Farbe auf das Papierpäckchen ! In vielen Büchern findet man Korrespondenzenlisten mit den verschiedensten Zutaten. Gerade für Anfänger sind diese geeignet als eine Art "Leitfaden". In unserer Tradition erstellt sich aber jede und jeder seine eigenen Korrespondenzen, denn nicht für jeden symbolisiert ein Kraut dasselbe (z.B. ist die Brennnessel für den Einen ein ausgezeichnetes Aphrodisiakum für Lustzauber, während die Andere es ausschließlich für Bannzauber verwendet). Außerdem versuchen wir, vorzugsweise "unexotische" und leicht selbst zu sammelnde Pflanzen zu verwenden die überall in unseren Breiten vorkommen (z.B. das Gänseblümchen, das von so vielen achtlos niedergetreten wird und sich trotzdem immer wieder aufrichtet; wir verwenden es daher für Zauber um neuen Mut zu finden nach Verletzungen und Rückschlägen). Durch das Erstellen deiner eigenen Listen findest du einen ganz persönlichen Zugang zur Welt der Pflanzen, Steine, Farben....; durch diese Vorgehensweise wird deine Magie stärker und natürlicher, sie trägt gewissermaßen deinen ganz persönlichen "Stempel".

 

6)* Sind Hexen Wiccas und Wiccas Hexen ? 

Eine bekannte Richtung des neuen Heidentums ist Wicca. Wicca ist gewissermaßen als eine „Konfession“ zu sehen. Es gibt verschiedene Traditionen innerhalb von Wicca, grundsätzlich gibt es aber 2 Hauptwege: 

 

Einerseits gibt es das „traditionelle“ Wicca. Hier folgt man einer initiatorischen Linie. Um hier also aktiv wirken zu können innerhalb eines Zirkels bedarf es einer förmlichen Einweihung durch eine Hohepriesterin und/oder eines Hohepriesters. Auch wenn manche initiierte Wiccas das nicht gerne hören, so ist es doch eine Tatsache dass sich diese Bewegung erst in den 1950/60er Jahren mit Ende des Witchcraft-Gesetzes (Verbot der Hexerei) in Großbritannien formierte (Gerald Gardner, der Gründer, behauptete zwar in einen uralten Zirkel initiiert worden zu sein, Berichte von Mitgliedern seines ersten Zirkels legen aber nahe dass dies nur zur Untermauerung seiner vermeintlichen Autorität diente - siehe hierzu vor allem "50 Years of Wicca" in der Literaturliste). Wicca in der heute praktizierten Form ist also eine relativ neue Angelegenheit. Und trotzdem muss den "Gründervätern" und "Gründermüttern" hoch angerechnet werden, dass sie durch ihr (manchmal zwar zweifelhaftes) Engagement die Göttin wieder ins Bewusstsein der Menschen brachten.

 

Der andere Weg ist der der „freifliegenden“ Hexe. Auch diese Hexen betreiben die alte Kunst und verehren die Göttin und den Gott in ihren vielen Gestalten. Jedoch wurden sie nicht in eine bestehende Tradition initiiert. Gerade unter den freifliegenden Hexen ist die Selbstinitiation sehr verbreitet und beliebt. Es liegt die Idee zugrunde, dass eine Einweihung ja nicht von einer fremden Person (also den Hohepriestern) vorgenommen werden soll, sondern nur von den Göttern, welches in einer persönlichen Zeremonie vor sich geht. Freifliegende Hexen können sich nur auf sich und das Einwirken der Götter verlassen, ihren spirituellen Weg bereiten sie sich selbst und lassen sich meist von Büchern und Gleichgesinnten inspirieren.

 

Beide Wege haben ihre Vor-, und Nachteile. Initiatorische Traditionen legen mittlerweile sicherlich auf eine sehr fundierte Ausbildung wert (was früher nicht der Fall war, gerade der alexandrische Zweig im Wicca initiierte sehr "großzügig" aus purer Expansionslust), und gerade zu Beginn des Studiums der Alten Künste ist es von großem Wert, erfahrene Hexen um einen herum zu haben und auf ihre Führung vertrauen zu können. Andererseits ist der Weg der freifliegenden Hexe, die typischerweise zuerst alleine die Kunst erlernt (heute anhand von Büchern, Internet...) und erst dann Gleichgesinnte kennen lernt, der steinigere Weg; dieser stärkt das eigene Selbstvertrauen, muss jedoch immer wieder ernstlich und selbstkritisch überprüft werden. Gerade hier ist es notwendig, über deine Zauber und Rituale genau Buch zu führen um überprüfen zu können, ob sie auch wirken. Gerade zu Anfang des Weges kann es sehr einsam sein und man kommt sich vor, als sei man die einzige Hexe weit und breit.

 

Immer mehr geht der Trend dahin, dass sich bekennende Hexen als „Wicca“ bezeichnen, ob nun initiiert oder nicht. Auch wenn viele der traditionell Initiierten darüber in Zornesröte geraten, muss einfach betont werden, dass sich Wicca im Laufe der Zeit sehr verändert hat und heutzutage zu viele Interessierte und zu wenig Zirkel existieren. Daher gibt es oftmals keine andere Alternative als dass sich Gleichgesinnte suchen und finden und nach einiger Zeit einen Zirkel gründen. Auch liegt nicht jedem der eher formelle Zugang und der hierarchische Aufbau der initiatorischen Linien. Da "Wicca" in halbwegs informierten Kreisen immer mehr zu einem Begriff geworden ist, erspart man sich auch viele Endlos-Erklärungen beim "Outing".

 

Unser Zirkel besteht aus freifliegenden Hexen. Wir sind uns unserer Nähe zu Wicca bewusst (gerade was zeremonielle Aspekte betrifft, beispielsweise das Schließen des Magischen Kreises, die Anrufung der Elemente, die Invokation von Göttin und Gott etc.), bevorzugen jedoch die Bezeichnung „freifliegend“. Es gibt bei uns weder eine Hohepriesterin noch einen Hohepriester, jedes Mitglied darf (und muss) gleichberechtigt an der Arbeit teilhaben. Wir, die wir den Zirkel ins Leben gerufen haben, "leiten" diesen zwar, dies beschränkt sich aber vor allem auf Organisatorisches. Es gibt "nur" eine sehr wenig formelle Initiation in den  Zirkel (wir nennen diese daher lieber auch "Begrüßung"), Initiation/Weihe den Göttern gegenüber werden (natürlich mit Anregungen und Hilfestellungen) selbst erstellt und wenn der Wunsch besteht gemeinsam im Zirkel gefeiert. Nach "1 Jahr und 1 Tag" des gemeinsamen Kennens und Praktizierens wird ein Gespräch geführt und man entscheidet, ob der weitere Weg gemeinsam gegangen werden will oder nicht.

 

Conclusio: Zwar teilen sich die meisten Hexen und Wiccas ein ähnliches Weltbild, dennoch sind nicht alle Hexen Wiccas und nicht alle Wiccas Hexen!

 

7)* Was können Hexen ?

Jede Hexe hat ihren eigenen Zugang zur Hexenkunst und ihre speziellen Fähigkeiten. Die Eine ist Spezialistin in der Kräuterkunde, die andere braut Zaubertränke, der andere wirft Runen oder legt Karten; sogar spezielle „Computerhexen“ soll es geben. Manche beschäftigen sich überhaupt nicht mit Magie sondern sehen ihren Weg in der Verehrung der Götter. Wieder andere feiern die Jahreskreisfeste mit dem Zirkel und betreiben alleine gar keine Magie und Rituale.

Diese Vielfalt ist einer der Gründe, warum die Hexenkunst als Glaube so lebensbejahend ist und soviel Spaß macht. Trifft sich nun so eine Gruppe, kommt ein unglaublicher „Cocktail“ an Fähigkeiten und Talenten zum Vorschein. Jede und Jeder hat ihren/seinen eigenen Zugang zum Göttlichen, die Götter offenbaren sich auch jedem auf unterschiedliche Weise (der Eine erkennt sie in seinem alltäglichen Leben durch die vielen Momente des Glückes, die Andere erkennt sie in Meditation, Andere wiederum erfahren das Göttliche während der Invokation etc.)

So ist der Weg der Zaunreiter ein Weg der Gemeinschaft, aber noch viel stärker der Weg des Individuums.