Religion und Ethik?

Wie bereits erwähnt:

Wicca/Hexenkunst ist nicht bloß Magie, sondern eine heidnische Mysterienreligion von Göttin und Gott und zudem eine Naturreligion.

Sie basiert auf den Überresten einfacher heidnischer Traditionen wie sie in Legenden und Bräuchen erhalten blieben. Darauf aufbauend wurden anspruchsvollere Glaubensinhalte aus den eher formellen heidnischen Religionen Roms, Griechenlands und Ägyptens und anderen mysterischen Traditionen übernommen.

 

Unser Glaube lehrt zwar die Entwicklung magischer übersinnlicher Kräfte Hand in Hand mit dem klugen und verantwortungsbewussten Gebrauch, jedoch macht dies nur einen Teil unseres Glaubens aus.

Die spirituelle Entwicklung ist ureigener Bestand der Tradition.

 

Für Frauen ist es ein spiritueller Weg, in welcher das Göttliche in seiner weiblichen Form verehrt werden kann – als die Göttin. Für Männer ist die Entdeckung der inneren göttlichen Gefühlswelt und das Annehmen des innewohnenden weiblichen Anteils von unschätzbarem Wert. Die tradierten Schranken und Einengungen der Geschlechterrollen („Frauen müssen sanft sein, Männer weinen nicht !“) werden hiermit aufgebrochen.

 

Grundsätzlich anerkennen wir die EINE Kraft, den universellen Göttlichen Geist hinter all den verschiedenen Religionen und Gottheiten der Erde.

Im Unterschied zu den rein monotheistischen Religionen verehren wir das Göttliche jedoch in verschiedenen Gesichtern. Die vielen Gottheiten der verschiedenen Pantheons (keltisches, griechisches, römisches, ägyptisches...) sind für uns Offenbarungen der Urkraft in ihren verschiedenen Gestalten.

Wir fühlen uns wohl bei der Verehrung einer kornspendenden, Fülle gebenden Erdenmutter (z.B. der keltischen Dana, der germanischen Nerthus, der griechischen Demeter, der römischen Ceres, der indischen Lakshmi, usw.) und eines Gottes des Waldes und der Natur (z.B. des keltischen Cernunnos mit seinem Hirschgeweih, des britischen Green Man, usw.)

 

Jede Hexe „arbeitet“ mit verschiedenen Gottheiten und anerkennt die weibliche und männliche Seite der Urkraft. Manche Hexen beten generell zur „Herrin“ und zum „Herrn“, andere wiederum benutzen die Namen ihrer „Lieblingsgötter“, manche fühlen sich zu einem bestimmten Pantheon hingezogen und beachten nur dieses, wieder andere beten zu Göttinnen und Göttern verschiedener Kulturen. Seltener sind Hexen, die "nur" den "Großen Geist" - also die Urkraft hinter allem - verehren; beachtet wird diese Kraft hinter allem Existierendem aber von vielen. Letztendlich erstellen viele Hexen im Laufe der Zeit ihr ganz persönliches Pantheon aus "Lieblings-Charakteren" mit welchen gute Zusammenarbeit möglich ist und welche mit dem eigenen Charakter und den eigenen Energien harmonieren (oft suchen sich die Götter die Personen selbst aus, mit welchen sie zusammenarbeiten wollen).

 

Eine interessante Herangehensweise besagt, dass man sich an Götter wenden sollte die uns selbst kulturell nahe stehen - in unserem Falle wären dies also die keltischen und germanischen Gestalten. Götter also, die auf unserem Boden schon früher verehrt wurden und dadurch "präsenter" sein sollen. Jeder und jede soll und wird eigene  Erfahrungen machen und den ganz persönlichen Weg zum Göttlichen selbst finden. So begleiten uns die verschiedenen Gesichter des Göttlichen also durch den Jahreskreis.

 

Da alle diese Gestalten die verschiedenen Gesichter der einen Urkraft sind, macht dies keinen Unterschied, solange man reinen Herzens und reiner Absicht ist. Es gibt einen Spruch und Ritualgruß der modernen Hexen, der hier gilt: „In vollkommener Liebe und vollkommenem Vertrauen !“

 

In der Hexenkunst gilt Erleben mehr als Lehre und Dogma. Unsere heidnischen Vorfahren vollzogen Riten, aber bekannten sich nicht zu einem Glauben oder einer Lehre. Die Göttin und der Gott sind das Prinzip, an dem wir unser Leben aurichten.

 

Wir verehren die frühesten Formen des Göttlichen, die Geist und Herz der Menschen erfassten – die Große Muttergöttin und ihren Gefährten (der in gängiger modern-heidnischer Interpretation oft "Gehörnter Gott" genannt wird). Sie sind für uns eine Möglichkeit, uns dem unbeschreiblichen Mysterium zu nähern – dem Einen Großen Geist, der dem Universum Leben gibt.

Er ist außerhalb, jenseits von uns und doch zugleich in unserem Innersten. In Wirklichkeit sind unsere Götter geschlechtslos.Wir bezeichnen sie als Göttin und Gott, weiblich und männlich, aber das dient dem menschlichen Verstand nur als Hilfsmittel, sich mit der göttlichen Kraft, die alles Menschliche übersteigt, auseinander zu setzen und sie intuitiv zu erfassen. Daher sind die vielen Götter und Göttinnen "Geschenke" der Urkraft an uns, um uns ihr nähern zu können.

Zur Hexenkunst gehört die Fähigkeit, eine persönliche Beziehung zu den Göttern herzustellen. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten verehren wir jeweils verschiedene Aspekte des Göttlichen (mehr dazu auf der Seite „Jahreskreis“).

 

Doch woher kommen die Götter? Darüber gibt es viele verschiedene Meinungen. Als Glaubende/r wird die Existenz einer Urkraft wohl nicht verneint werden. Diese Urkraft wird für uns Menschen greifbarer in den 2 Aspekten der Herrin und des Herrn. Sämtliche Muttergottheiten und Vatergottheiten (so auch wohl der christliche) fallen unter diese Kategorie und entsprechen der frühesten Aspektierung der Urkraft. Woher jedoch die vielen anderen Mythengestalten kommen, wo ihr Ursprung liegt, da gibt es viele Meinungen. Eine nachvollziehbare Lehre besagt, dass es einst Ahnen waren, die nach ihrem Tod durch ihren Stamm, ihr Volk stark verehrt wurden und im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger fanden. Man stelle sich einen Stamm vor, der unglaublich erfolgreich in Kriegsdingen ist und dafür seiner Ahnin Morrigan dankt. Nur logisch, dass sich andere dann - zumindest versuchsweise - auch der Gunst dieses Geistes versichern wollen und Morrigan Ehre erweisen. Je mehr dieser Ahnengeist nun angebetet wurde, desto "dichter" wurde seine Präsenz, desto erleb-und greifbarer und näher am Menschen wurde Morrigan, und dies bis in unsere Zeit, da die alten Götter wieder erwachen. Aus diesem Grund ließen sich viele Kaiser und Pharaonen schon zu Lebzeiten als Götter verehren.

Eine andere Möglichkeit der "Entstehung" von Göttern liegt im Reich der Naturwesen/Naturgeister, die von Verehrern "irrtümlich" zu Göttern gemacht wurden. Im Buddhismus findet sich die interessante Vorstellung, dass Verstorbene sich (vereinfacht gesagt) freiwillig bereit erklären können, nicht "hinüber zu gehen" sondern mit ihrer Energie und Kraft den Menschen hilfreich zur Seite zu stehen (man nennt diese dann "Bodhisattvas").

Andere Richtungen des Heidentums orientieren sich mehr an der Psychoanalyse und sehen Götter als "Archetypen" (=Bilder des kollektiven Unbewussten).

Du siehst also, es gibt viele Vorstellungen, was Götter sind und wie sie entstehen. Wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen und für sich selbst einen Weg zu finden, der sich "gut anfühlt" und welcher dir dabei hilft, mit diesen Wesenheiten zu kommunizieren und sie zu erfahren.

 

Die Ethik der Hexen kennt ein vermeintlich einfaches, aber bei genauerem Hinsehen sehr diffiziles Credo: „Tu was du willst, solange es niemandem schadet !" Dies bedeutet in der Praxis, dass jede Handlung, die wir setzen, überprüft werden sollte welche Auswirkungen sie nach sich zieht. Dieses „niemandem schadet“ bezieht sich auch auf unsere eigene Person, daher vermeiden viele Hexen Nikotin und Alkohol und legen Wert auf ein bewussteres Leben.

Dieser Spruch der Hexen wiederspricht auch dem Vorurteil, Hexen würden schwarze Magie anwenden. Denn mit den negativen Rückwirkungen auf sie selbst und dem sogenannten „Gesetz der 3“ "Was immer du tust kommt 3fach zu dir zurück" bzw. "Was du aussäst wirst du auch ernten" werden diese Ausflüge in die dunklen Bereiche der Magie unterbunden.

Generell lässt sich Magie niemals als rein „weiß“ oder  „schwarz" bezeichnen.

Das Zerstören gewisser Dinge ist prinzipiell „schwarzmagisch“, man muss jedoch die Absicht beachten: Werden bei einem Heilzauber Blockaden beseitigt, negative Verhaltensmuster gebannt oder Krankheitserreger abgehalten, kann hier nicht im geringsten von Schwarzer Magie gesprochen werden.

Ebenso verhält es sich bei bestimmten Liebeszaubern, welche darauf abzielen, missgünstige Verhaltensmuster welche immer wieder einer erfüllten Liebesbeziehung im Wege stehen, zu beseitigen. Die Absicht bestimmt hier, wie deine Magie ist.

 

Letztendlich stellt der Jahreskreis und das Leben der Hexe in und mit diesem die höchste Stufe der natürlichen Magie dar. Nach einiger Zeit können wir feststellen, wie sich unser ganz alltägliches Leben dem natürlichen Ablauf des Jahreszyklus anpasst: Wie alte Strukturen sich im Frühjahr auflösen und neue Inspirationen und Ideen uns überwältigen, wie Altes und Verbrauchtes im Herbst langsam welk wird und stirbt, wie die Fülle im Sommer überhand nimmt usw.! Hierin erkennen wir, dass das Göttliche in unserem Leben wirkt und uns unterstützt. Wer diesen Level erreicht hat, wird immer weniger "Zweck-Rituale" für sich verwenden weil nun die Magie das ganze Leben durchwirkt und im Gebet seine Erfüllung findet. Ein nettes englisches Wortspiel sagt dazu:

Aus "Witch-Craft" wird "Wish-Craft" !

 

Erkundige dich im Internet, lies Bücher und alte Mythengeschichten um zu entdecken, welche Gottheit(en) am besten mit dir harmonieren und welche Kultur dich fasziniert. Im Laufe der Zeit werden Gottheiten dazukommen, andere wiederum wirst du nicht mehr oft beachten und es kann ein langer Weg sein, bis du schließlich dort angekommen bist, wo du dich am wohlsten fühlst. Freu dich auf deine Entdeckungsreisen alter Kulturen, märchenhafter Wesen und höre auf deine innere Stimme, welche Götter dich rufen !